Bank und Kotelett
Eine halbwahre Kurzgeschichte von Alexander „Zax“ Bönicke.



„Schokoladeneis. Das wäre hetzt nicht schlecht!“, sagte sich Christian, wie jeden Tag, sitzend auf seiner Parkbank mit einem Döner in der Einen, einem halb geleerten Schierker, so nennt er seinen Apfelsaft, in der anderen Hand. Der meist verwirrt wirkende Junge dachte oft an Nahrungsmittel und an eine ganz bestimmte Person. „Schon drei.“, bemerkte er, nach einem, Blick auf seine Taucheruhr, welche ihn aufs Neue an seinen Abscheu gegenüber Wasser erinnerte. Schwimmen konnte Christian, schon seit er 8 war, aber nur ungern. Ein weiterer Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass seit dem Letzten bereits 23 Sekunden vergangen waren. „Die Zeit läuft zu langsam! Ich glaube meine Brille sitzt schief. Irgendwann muss die doch vorbeikommen und dann…“, ging es ihm durch den Kopf, kurz bevor er sie erblickte. Noschkia Esdemann war ihr Name. Wie jeden Tag kam sie an Christians Lieblingsparkbank vorbei um sich beim Fleischer, 50 Meter weiter, ein paar Koteletts zu kaufen. Plötzlich wurde dem Jungen warm, sein herz begann immer schneller zu schlagen und sein überdurchschnittlich langes Haar war wie geladen. Sein Mittelscheitel war bereits nicht mehr zu erkennen und die Gläser seiner Brille hatten bereits einen schier undurchsichtigen Beschlag bekommen. „Das ist der Moment der Entscheidung, jetzt muss ich was sagen! Und diesmal ohne vier Bier im Blut!“, dachte er als sich sein Mund langsam öffnete. Sie sah ihn im vorübergehen an und dann geschah es. „He dadedadeda!“ brachte Christian hervor. Noschkia antwortete: „Was willst du?“, woraufhin er eine Flasche Mineralwasser aus seinem dubios benähten Rucksack nahm und diese mit einem Zug austrank. Und noch Eine. Noschkia sagte noch zum Abschied: „Wir sehen uns morgen in der Schule!“. „Huhuha Kotelett blabla!“, fragte ihr Verehrer. „Die hab’ ich gekauft, als du dein Wasser getrunken hast!“, entgegnete sie und ging. Er sah ihr nach und beobachtete den kleinen Moliver, der sich, wie immer, versuchte an sie ranzumachen. „Was für ein erfolgreicher Tag!“, lobte sich Christian, Dönerreste von seinem Hemd sammelnd und von dannen schreitend, als er wie so oft einen Hundehaufen plättete.




Besonderer Dank geht hier an:
Christian Ryschka von den Stoned Dogs, der in voller Trunkenheit auf die arme Soschkia losging und mir Anlass zu dieser Kurzgeschichte gab.
Saskia „Soschkia“ Endemann, die mir davon erzählte.
Oliver Anders von Donkeyass, der jeden Tag versucht wie ein Kleinkind mit Soschkia zu spielen.